Zu Fuß auf den Berg oder per Seilbahn
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sabine 2 Mai, 2010 Kategorie
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Die Vorarlberger Hebammen laden, pünktlich zum internationalen Hebammentag am 5. Mai, zu der Ausstellung „Wunder, Wunden, Wundern“. Warum diese Ausstellung?Petra Fritsche: Der Anlass ist die Zunahme von Kaiserschnittgeburten. 1998 kamen 18 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt, 2008 waren es bereits 28 Prozent. Dabei wäre ein Kaiserschnitt laut Weltgesundheitsorganisation nur bei 10 bis 15 Prozent aller Geburten medizinisch notwendig, nämlich dann, wenn die klassische Geburt für Mutter und Kind gefährlich ist. Wir wollen die Ausstellungs-Besucher dazu anregen, darüber nachzudenken, ob diese Entwicklung gut ist. Wir Hebammen sind der Meinung, dass diese Entwicklung nicht gut ist.
Warum halten Sie diese für schlecht?
Fritsche: Weil ein Kaiserschnitt nichts Natürliches ist. Wenn es etwas Natürliches wäre, dann kämen die Kinder über den Bauch zur Welt. Eine Geburt ist ein normaler physiologischer Vorgang und keine Krankheit, die operiert werden muss. Ein Kaiserschnitt ist eine große Bauchoperation – mit Nachteilen für Mutter und Kind.
Welche Nachteile hat sie für die Mutter?
Fritsche: Die Sterblichkeit der Mütter hat sich mit der Kaiserschnittrate erhöht. Eine Operation birgt Risiken: Thrombose, Blutvergiftung und Gebärmutterentfernung – das sind nur einige der möglichen Komplikationen. Auch die Narbe kann Probleme bereiten.
Mirjam Schnedl: Nach der OP hat man Schmerzen. Sie schränken die Beweglichkeit ein. Eine Folge des operativen Eingriffs ist auch, dass sich die Frau beim Stillen schwer tut. Zudem verzögert sich der erste, Bindung stiftende (Haut)Kontakt zwischen Mutter und Neugeborenem. Bis Mutter und Kind zusammenkommen, vergeht zirka eine Stunde. Das wirkt sich unter anderem auf die Milchbildung aus, die Milch schießt später ein.
Fritsche: Manche Frauen schlagen sich nach einem Kaiserschnitt auch mit Versagensängsten herum, nach dem Motto: Ich habe es nicht geschafft, das Kind normal auf die Welt zu bringen. Bei einem lebensrettenden Notfallkaiserschnitt schaut die Sache allerdings anders aus. Das kann die Frau besser verarbeiten.
Welche Nachteile hat die Kaiserschnittgeburt für das Kind?
Schnedl: In der Regel wird der Kaiserschnitt zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin durchgeführt. Das Kind ist also auf die Geburt nicht vorbereitet. Deshalb haben Kaiserschnittkinder oft Anpassungsschwierigkeiten. Die Anpassung an die Umwelt ist verzögert. Die Atmung setzt auch später ein, bereitet Probleme. Es braucht auch länger, bis diese Kinder das Stillen beherrschen. Außerdem sind sie meist unruhiger. Bei all dem verstehe ich nicht, warum dann die Kaiserschnittgeburten zunehmen?
Schnedl: Eine Geburt ohne Schmerzen – so wird der Kaiserschnitt dargestellt, was aber nicht stimmt. Denn danach hat man ja Schmerzen. Es wird auch so dargestellt, als ob ein Kaiserschnitt sicherer wäre. Fritsche: Ein Kaiserschnitt ist aber gefährlicher, weil eine Operation Risiken birgt. Uns Hebammen fällt auf, dass nach dem Kaiserschnitt Komplikationen häufiger sind als nach vaginalen Geburten – sowohl bei den Frauen als auch bei den Kindern. Aber es fehlt an objektiver Aufklärung.
Warum greift man heute bei einer Niederkunft schneller zum Skalpell? Fritsche: Es ist wirklich so, dass man heute schneller einen Kaiserschnitt macht, zum Beispiel bei Steißlage oder bei einem großen Kind. Man möchte das Risiko für das Kind so gering wie möglich halten und auf Nummer sicher gehen.
Schnedl: Der Druck auf die Ärzte wächst. Wenn dem Kind bei der Geburt etwas passiert, kann der Arzt unter Umständen ein Leben lang Schmerzensgeld zahlen. Einer sagte einmal zu mir: „Für einen Kaiserschnitt ist man noch nie verurteilt worden.“ Damit erklärt sich einiges.
Schnedl: Auch die Prominenten haben dazu beigetragen, dass der Kaiserschnitt trendy geworden ist. Viele Promi-Frauen entscheiden sich für einen Kaiserschnitt, weil der gut planbar ist und weil es schnell gehen muss. Eine natürliche Geburt hingegen ist ein Geduldsspiel. Auch um das Ungewisse kommt man dabei nicht herum. Die Frau auf der Straße denkt sich: Wenn die Promis per Kaiserschnitt entbinden, muss es wohl gut sein.
Was entgeht den Frauen, die kein natürliches Geburtserlebnis haben?
Schnedl: Ich vergleiche die natürliche Geburt mit der Erklimmung eines Berggipfels. Im Tal denkt man sich: Da komm‘ ich nie an. Wenn ich mich dann aber selber hinaufgebracht habe, dann ist es ein unendliches Glücksgefühl, ein ungeheurer Adrenalinschub. Zum Vergleich: Beim Kaiserschnitt fahre ich mit der Seilbahn auf den Berg hinauf.
Fritsche: Das Glücksgefühl nach einer natürlichen Geburt hält lange an. Die Freude darüber, etwas Extremes geleistet zu haben, hebt das weibliche Selbstbewusstsein enorm. Das hilft in schwierigen Phasen und gibt Sicherheit.
Schnedl: Ich bin sehr oft bei beiden Geburtsarten dabei. Wenn man die Gesichter der frischgebackenen Mütter sieht – es sind nicht dieselben. Beim Kaiserschnitt ist der extreme Adrenalinschub nicht da. Meine Erfahrung sagt mir: Für Mutter und Kind ist es besser, natürlich zu gebären. Daher ist der Trend zum Kaiserschnitt nicht erfreulich. Was bedeutet dieser Trend für den Berufsstand der Hebammen? Fritsche: Normalerweise betreut die Hebamme die werdende Mutter während der ganzen Geburt alleine. Die Geburtshelferin leitet die Geburt. Durch Erhöhung der Kaiserschnitt-Rate aber haben sich die Rolle der Hebamme und ihre Aufgabe gewandelt. Bei einer Kaiserschnittgeburt bereitet sie die Frau auf die OP vor. Danach versorgt sie das Kind und überwacht die Mutter. Bei Kaiserschnittgeburten büßt die Hebamme die Verantwortung ein.
Was, wenn sich der Trend zum Kaiserschnitt noch verstärkt?
Fritsche: Dann wäre es bedenklich für unseren Berufsstand. Dann würde nur noch der Arzt die Geburt durchführen. Und die Geburtshelferin hätte ausgedient.
Schnedl: Mit den Hebammen würde viel Wissen verlorengehen, Wissen um die Geburt, um die Schwangerschaft und ums Wochenbett.
Fritsche: Aber ich glaube nicht, dass es so weit kommt. Ich denke, dass ein Gegentrend einsetzen wird. Aber der setzt Aufklärungsarbeit voraus.
Wie kann die aussehen?
Fritsche: Wir Hebammen kämpfen für eine Hebammen-Untersuchung im Mutter-Kind-Pass. Wir wünschen uns, dass wir die Frauen schon in der Schwangerschaft betreuen dürfen, gemeinsam mit dem Arzt. Dann könnten wir bei den Frauen Ängste und Blockaden abbauen, das Vertrauen in ihren Körper und ihre Fähigkeiten stärken – damit sie sich eine natürliche Geburt zutrauen.
Schnedl: Dann würde sich keine Frau mehr leichtfertig für einen Kaiserschnitt entscheiden.



ich sehe es ganz genauso wie in dem Artikel beschrieben. Ich kann uach nichz nachvollziehen wie man sich dafür freiwillig entscheoden kann.Ich habe meine ersten beiden Kinder normal auf die welt bringen dürfen, beim dritten klappte das leider nicht und endete in einem Not Kaiserschnitt. Ich habe ziemliche Probleme damit das zu verarbeiten.Und würde es keinem empfehlen.
Nach einer normalen Geburt ist es doch 1000 mal schöner.
In diesem Sinne Lg
wie bereits im interview und von patricia erwähnt: ein kaiserschnitt hinterläßt sehr oft auch “narben an der seele”. viele frauen kämpfen mit versagensgefühlen, schuld und ohnmacht.
für alle frauen, die ihr kaiserschnittgeburtserlebnis in der gruppe bearbeiten wollen, mit frauen reden, die ähnliches erlebt haben und ihren mut stärken für eine zweite geburt ohne kaiserschnitt:
http://www.nach-dem-kaiserschnitt.at
liebe grüße
judith